BLOG

Ahnenlinien und Epigenetik

„Genauso wie die DNA wird auch die sogenannte "epigenetische Signatur" von Generation zu Generation weitergegeben. Zurzeit können diese Merkmale bis zur dritten Generation nachverfolgt werden. Wenn wir uns beispielsweise die dritte Generation von Holocaust-Überlebenden ansehen oder die Enkelkinder von Soldaten des zweiten Weltkrieges, sehen wir noch immer epigenetische Spuren der erlittenen Traumata. Diese führen dazu, dass diese Menschen ängstlicher oder anfälliger für stressbedingte Krankheiten sind.“ Alon Chen – Max Planck Institut

 Die Ahnenlinien und deren Auswirkungen auf uns selbst hatten im schamanischen Arbeiten schon immer eine zentrale Bedeutung. Die Heilung unserer Linien bedeutet auch Heilung für uns selbst. Die meisten Menschen kennen ihre Eltern, Tanten und Onkel, oft noch ihre Großeltern – doch noch weiter zurück in ihrer Ahnenlinie wissen sie nichts mehr über ihre Herkunft.

Viele, die konfliktreiche Beziehungen zu ihren Eltern hatten, wollen mit den Ahnenlinien überhaupt nichts zu tun haben, die Linien sind unterbrochen und damit auch die Kraft, die daraus resultiert.

 Machen wir uns bewusst, dass unsere Ahnenlinien sehr weit in die Vergangenheit zurückreichen. Sie enden nicht bei Eltern, Groß- oder Urgroßeltern und selbst wenn wir zu den uns bekannten Vorfahren vielleicht ein problematisches Verhältnis hatten, so wirkt dennoch sehr viel von unseren Vorfahren auf uns ein.

Wenn wir uns eine solche Ahnenreihe vorstellen, die unendlich weit zurück in die vergangenen Jahrhunderte reicht, dann gab es unvorstellbar viele unterschiedliche Menschen darunter.

Solche die reich waren, glücklich, mächtig oder auch das Gegenteil davon, Reisende vielleicht, Arbeiter, Bauern, Freiheitskämpfer oder Künstler, Heilerinnen, weise Frauen oder auch Mägde. Es mag Mörder darunter gegeben haben und solche die ihre Machtstellung missbrauchten. Vielleicht gab es Opfer von Folter und Inquisition.

In all diesen Linien liegt Gutes und auch Schreckliches, Ungeheiltes. Schmerz. Angst. Traumata. Armut. Scham. Resultierend aus Kriegen, aus Gewalt, Verlusten…

So kommt es, dass mancher Glaubenssatz, manches Verhaltensmuster mit all den daraus resultierenden schlechten Erfahrungen eines Menschen des 21. Jahrhunderts in der Vergangenheit seinen Ursprung hat.

 

Wenn wir beginnen, diese Linien und damit auch das Erlebte unserer Vorfahren zu heilen und uns wieder mit ihnen zu verbinden, so verändern wir damit auch unsere Gegenwart und unser Erleben.

Im Gegensatz zu unserer westlichen Welt ist es in indigenen Kulturen ganz normal, mit den Ahnen in Kontakt zu stehen, sie um Rat und Hilfe zu bitten, sie zu ehren und auch sie zu heilen und zu unterstützen. In dem Bewusstsein, dass alle miteinander verbunden sind. Wären alle diese Männer und Frauen nicht gewesen, so gäbe es uns heute nicht. Durch ihr Sein, durch ihr Erleben sind wir das, was wir heute sind.

Auch den Kundigen der Astrologie ist die Thematik der Ahnenreihen vertraut. Eltern geben das Unerlöste stets an ihre Kinder weiter, die Erstgeborenen bekommen dabei den größten Teil ab und haben es schwerer als die nachkommenden Geschwister.

Je nachdem wie viel Verdrängtes, Ungelebtes, Fürchterliches in den Leben der Ahnen stattfand, umso schwerer gestaltet sich das Leben der Nachkommen.

 

Manche innerseelischen Konflikte werden auch „quer“ weiter vererbt. Also von Onkel und Tante auf Neffe oder Nichte.

Viele Märchen erzählen davon: oft gibt es drei Brüder, wobei der Dritte, meist als „dumm“ und als „Luftikus“  angesehen wird. Den, der das Leben leicht nimmt, es genießt und der auch nichts will, außer einem schönen Leben. Besitz und Macht bedeuten ihm nichts – man könnte sagen, er braucht diese Dinge nicht zur Kompensation eines empfundenen inneren Mangels.

Dennoch macht auch er sich auf die Reise, um die vom Vater verlangten Dinge zu finden.Er geht fröhlich und offenen Herzens seiner Wege, hilft denen, die ihn auf seiner Reise um einen Gefallen bitten, rettet das Leben von Tieren und anderen Wesen und erhält im Gegenzug von ihnen ebenfalls Hilfe, so dass er am Ende derjenige ist, der alles bekommt. Die Prinzessin, die geforderten Gaben und nicht zuletzt das gesamte Königreich. Das gute Herz hat gesiegt.

Seine Brüder hingegen sind von Neid zerfressen, machen allen möglichen Blödsinn und stehen am Ende mit leeren Händen da.

Dieses alte Wissen wird durch einen relativ neuen Zweig der Wissenschaft, der Epigenetik, aufgegriffen.Für viele Menschen ist es hilfreich von Wissenschaftlern bestätigt zu bekommen, was Schamanen schon immer wussten und in ihre Arbeit miteinbezogen haben.Wissenschaftliche Forschungsergebnisse erleichtern ihnen, sich auf eine neue, spannende und heilsame Erfahrung einzulassen.

Forscher um Professorin Isabelle Mansuy von der ETH Zürich, Wissenschaftler des Max-Planck Instituts und Biologen der Uni Magdeburg forschen seit längerem, wie sich ererbte Traumata auf die Gene und das Gehirn auswirken.

 

Zitat: „Die Epigenetik soll bald dabei helfen, nicht nur die Entstehung von Posttraumatischen Stresserkrankungen besser zu verstehen, sondern auch die von anderen psychischen Störungen. So könnte es sein, dass künftig nicht in der Biografie der Betroffenen nach Ursachen gesucht werden muss – sondern auch in der ihrer Ahnen.

Betroffene Kinder entwickeln Symptome, als hätten sie das Leid der Eltern selbst erlebt, wobei es keine Rolle spielt, ob die Eltern darüber sprachen oder nicht.

Ängste, innere Leere, Schuld, psychosomatische Erkrankungen, Stress sind die Folgen. Auch das Leben der Großeltern, selbst wenn man diese nie kennengelernt hat, spielt eine große Rolle.

Viele Menschen leiden also unter Stress, Traumata und anderen Schwierigkeiten, die ihren Ursprung in der Ahnenlinie haben und die, ungeheilt, immer weiter und weiter gegeben werden.

Es gibt in vielen Städten sogenannte „Kriegsenkelgruppen“, in denen Themen wie inneres Getrieben sein, Unruhe, Depressionen, Süchte, Scham thematisiert werden. Viele dieser Enkel oder Urenkel leiden Zeit ihres Lebens darunter, ohne genau zu verstehen, weshalb dies so ist oder was sie dagegen tun können.

Ein paar Beispiele aus der Praxis, um aufzuzeigen wie stark die Erfahrungen und Leben unserer Ahnen uns beeinflussen.

Der Ehemann einer Klientin, der sich in suizidaler Absicht vor einen LKW geworfen hatte, lag im Wachkoma. Sie versuchte alles in ihrer Macht stehende zu tun, um ihn wieder ins Leben zurückzuholen, was ihr jedoch nicht gelang.

In einer schamanischen Reise sah ich eine ganze Reihe männlicher Vorfahren, die ebenfalls alle durch Suizid aus dem Leben schieden und die nun regelrecht lockten, er solle auch zu ihnen kommen. Es war ein immens starker Sog. Auf meine Nachfragen nach diesem Bild aus meiner schamanischen Reise bestätigte die Klientin, dass Vater, Großvater und Urgroßvater sich allesamt umgebracht hatten.

Der Mann verstarb ein paar Monate später an einer Infektion und erlangte nie wieder das Bewusstsein. Der Sog aus dem Leben heraus zu gehen und den Ahnen nachzufolgen, war so stark, dass es nicht möglich war, dagegen anzugehen. Auch die Ahnen selbst hatten in diesem Fall kein Interesse an Veränderung, an Heilung, das wurde klar und deutlich kommuniziert. Allerdings habe ich ein derart kategorisches Nein weder zuvor noch danach jemals erlebt.

Eine andere Klientin, die unter depressiven Verstimmungen litt, da ihre Beziehungen zu Männern sich stets dadurch auszeichneten, dass sie belogen und betrogen wurde, sah in gemeinsamen schamanischen Reisen die unglücklichen, verhärmten Frauen, die ihre Vorfahrinnen waren. Sie sah, dass es an jeglicher Freude, Lebendigkeit, Wertschätzung und Liebe mangelte.

Nachdem die Ahnenlinie geheilt war, sah sie die Frauen tanzen und lachen, voller Fröhlichkeit und Herzenswärme.

Das Leben der Klientin veränderte sich. Die depressiven Verstimmungen verschwanden und auch die Art von Männern, die ihr so viele Jahrzehnte das Leben zur Hölle gemacht hatten.

Heute lebt sie in einer gesunden Beziehung, die von Liebe und gegenseitigem Vertrauen getragen wird.

Als drittes und letztes Beispiel möchte ich von einer Klientin berichten, die gut situiert ist, einem angesehen Beruf nachgeht und deren Leben nach Aussen hin perfekt aussieht.

Sie jedoch litt unter extremer Antriebslosigkeit, die ihr nicht erlaubte außerhalb ihres Berufes irgendetwas zu tun. Schon allein der Gedanke an eine Unternehmung jedweder Art, sei es eine Wanderung, eine Reise oder auch nur ein Restaurantbesuch lösten in ihr eine Art Paralyse aus. Sie konnte sie nicht erklären, auch nicht anhand ihrer Biographie, weshalb sie nicht in der Lage war, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es eigentlich wollte. Ihre Ehe war aus diesem Grunde gescheitert und sie war verzweifelt.

Als wir dann ihre Ahnenlinie anschauten, wurde ersichtlich, dass es in ihrer Ahnenlinie viele Frauen gegeben hatte, die flüchten mussten, vor Kriegen, vor Besatzern, vor Soldaten. Reine Pflichterfüllung zog sich von Generation zu Generation. Es gab viel Leid, viel Gewalt, Schändungen und Angst in dieser Linie und es dauerte eine Zeit, bis die Linie geheilt war. Heute lebt die Klientin ein anderes Leben. Ihre Ahninnen begleiten sie täglich und sie fühlt sich endlich frei.

 

Beginnt man mit den Ahnenlinien zu arbeiten, ist das für die meisten Menschen das erste Mal überhaupt, dass sie Kontakt zu denen aufnehmen, die vor ihnen gelebt haben und dass ihnen bewusst wird, wie unendlich viele Menschen es waren, deren Sein es erst ermöglichte, dass sie selbst jetzt da sind!

Die Arbeit mit den Ahnenlinien steht in meinem Tun immer am Ende eines Zyklus. Wenn alle Themen, Schwierigkeiten und Traumata, welche mit der Familie zu tun haben, sauber bearbeitet wurden.

Dann bitte ich den Klienten die lange Reihe seiner Vorfahren zu visualisieren. Und zwar die mütterliche und die väterliche Linie nacheinander. Die meisten Klienten können zu Beginn noch die Mutter, die Großmutter erkennen, dann werden die Ahnen gesichtslos. Aber man sieht die Kleidung, die Haltung und spürt die Emotionen, die in dieser Linie liegt. Manchmal kann man auch Unterbrechungen wahrnehmen.

Ich bitte die Klienten in diese Linie hinein zu fragen, was sie braucht, um heil zu werden. Die Antworten kommen dann ganz automatisch. Oft ist es der Wunsch nach Sicherheit. Nach Anerkennung, nach Leichtigkeit….je nach Glaubenssystem des Klienten kann man diese Qualitäten bitten, Gestalt anzunehmen – manche wählen einen Engel, andere wiederum Energiekugeln oder etwas ganz anderes – und durch die lange Reihe hindurch zu gehen , um die Linie mit dieser Qualität zu versorgen.

Wenn die Linie dann gesättigt ist, sehen die Klienten oftmals auch die Gesichter ihrer Vorfahren und spüren dass sich die Emotionen, die Schwere, das Leid in etwas Schönes gewandelt haben.

Das ist der Moment, in dem der Klient die Ahnenreihe darum bittet, hinter ihm zu stehen, damit er in Zukunft an all der Kraft, Weisheit und guten Energie teilhaben kann.Es kommt eine Weite in die eigene Seele durch das Begreifen, dass man nicht alleine ist, dass eine lange Reihe von Ahnen hinter einem steht.

Und es ist jedes Mal ergreifend und faszinierend wahrzunehmen, welche Stimmungen, welche Emotionen in diesen Linien noch immer festhängen – und auf ihre heute lebenden Nachfahren wirken. Oft kann man eine tiefe Dunkelheit wahrnehmen, getragen von Schmerz, Angst und Freudlosigkeit sowie häufig auch von Schuld.

Das Ziel meiner Arbeit liegt im Erkennen und Heilen der in der Ahnenlinie nicht verarbeiteten Traumata und Konflikte, um die Ahnen zu erlösen. Sind die Ahnen erlöst, erlösen wir uns auch selbst, da durch die Anbindung an die geheilten Linien auch uns selbst ein Zuwachs an Kraft, Energie und Lebendigkeit zuteil wird.

 

Darüber hinaus kann man auch lernen, seine Ahnen zu befragen. Denn die Lebensweisheit in den Ahnenlinien ist groß und vielfältig – und sollte genutzt werden.Wie der Einzelne den Kontakt oder das Angedenken an seine Vorfahren für sich gestaltet, bleibt dem persönliche Empfinden überlassen. 

 

Mag sein, man fühlt sich zuhause mit einem kleinen Ahnenaltar aus Fotos, einem kleinen Erbstück oder einem alten Buch aus Familienbesitz wohl. Wem das zu sakral ist, der erklärt eine schöne Schale oder einen bemalten Tontopf zum Ahnentopf und legt dort alte Fotos, Schmuckstücke und Erinnerungen hinein. Das Gedenken an die Ahnen kann jedoch auch ganz unaufwendig gepflegt werden, indem man zu besonderen Tagen einen Blumenstrauß oder eine Kerze an einem dazu bestimmten Ort im Freien aufstellt.

Doch gleich wie, man wird feststellen, dass dadurch das eigene Leben bereichert wird. 

Eule auf einem Zweig

Kontakt

Kontaktformular

Eule auf einem Zweig

Kontakt

Kontaktformular