Back to my Roots

Mit freundlicher Erlaubnis einer meiner Klienten zur Veröffentlichung

Als Holger – ein arrivierter IT- Manager aus Frankfurt/Main – zu seinem ersten Termin bei mir erschien, war er erst einmal kühl, zurückhaltend und abwartend. Ich spürte, dass er unsicher und neugierig war und dass er mich und das was auf ihn zukommen würde noch nicht wirklich einschätzen konnte.

Da es oft spannender ist, durch die Natur zu streifen, als sich nur gegenüber zu sitzen und zu reden, bat ich ihn zu unserem Termin Wanderschuhe und Freizeitkleidung mitzubringen.
Und dann gingen wir los.
Ich lebe ja in einer wunderschönen Gegend, die landschaftlich viel zu bieten hat. Weinberge, Wälder, Schlösser, Flüsse, man kann frei atmen. Der Stress des alltäglichen Lebens, der Zeitdruck, das etwas darstellen müssen, fällt von einem ab.
Als wir losgingen, sagte ich ihm, dass ich nicht an seiner Arbeit, die er fraglos bestens im Griff hat, interessiert bin, sondern an allem Anderen, das ihn ausmacht.
Wer bist du neben deiner Arbeit? Wie sieht dein Privatleben aus?
Schläfst du gut? Wie geht es dir, wenn Du mit dir allein bist? Was sind hier deine Gedanken, deine Empfindungen? Wie lenkst du dich ab?

Wurzel in einer Hand

Er begann, zögerlich erst und dann immer mehr, zu erzählen.
Von seiner Ehe, die nicht mehr glücklich war. Von seinen Kindern, für die er viel zu wenig Zeit hatte und die ihm ein bisschen fremd geworden waren. Von Freundschaften, die im Grunde keine waren, da es immer nur um Oberflächlichkeiten ging. Gemeinsame BBQs, Segeln, coole Locations – jedoch wird stets das Image gewahrt. Wirklich in die Tiefe führten die Gespräche nicht. Es geht um Spaß, darum das Image zu wahren. Irgendwann setzten wir uns auf einen Baumstamm. Die Sonne schien durch die Blätter und ich fragte ihn, wie er denn als kleiner Junge gewesen war.

Was für Träume hatte der gehabt? Wie war er? Was hatte ihn belastet, was hatte ihn gefreut und glücklich gemacht?

Holger erzählte mir viel. Ich hörte zu und warf ab und an eine Frage ein. Er war oft selbst erstaunt, was ihm alles wieder einfiel während er redete.

Als wir Stunden später zurückkamen, war Holger schon wesentlich entspannter und hatte einen ganzen Rucksack voller neuer Anregungen und Fragen, die er sich stellte.
Das war gut. Denn vor allen Änderungen, die wir anstreben, ist es ungemein wichtig, die richtigen Fragen zu haben. Die Fragen sind wichtiger, als sofort die Antworten zu finden. Das machen unser Gehirn und unser Unterbewusstsein dann ohnehin.
Aber wir müssen es auf die richtige Reise schicken – das ist eine Kunst für sich.

Zwei Monate später unternahmen wir wieder eine Tour.
Holger hatte viel nachgedacht über den Tag mit mir und all die Themen, die dadurch angestoßen worden waren, wodurch sich in seinem Leben mittlerweile einiges verändert hatte.
Eine der Fragen, die er sich oft gestellt hatte, war: wie kann ich meine Arbeit machen und dennoch menschlicher sein?
Die Diskrepanz zwischen Funktionieren, Entscheiden, präsent zu sein, ernst genommen zu werden, keine Schwächen zeigen zu dürfen im Job und dennoch die andere, seine menschlich-empathische Seite zu leben, das war ein großes Thema.

Im Abstand von ein paar Wochen trafen wir uns immer wieder. 

Unsere Gespräche waren mittlerweile von großem Vertrauen geprägt und Holger konnte sich auf einge sehr tiefgehende Arbeiten einlassen, die ihm vieles aus seiner Kindheit in Erinnerung riefen, das er längst vergessen, das ihn jedoch stark geprägt hatte.

Das Versprechen immer loyal zu sein. Die Anforderung immer und unter allen Umständen das Heft in der Hand behalten zu müssen, um nicht als schwach wahrgenommen zu werden und einiges andere mehr. 

 

Er begann, sich nicht mehr nur ausschließlich als erfolgreichen Geschäftsmann zu sehen und öffnete wieder die Tür zu sich selbst.

Nach und nach reifte in ihm der Entschluss, sich von seienr Frau zu trennen.

Ihm war deutlich bewusst geworden, dass er sich zunehmend einsam gefühlt hatte in dieser Verbindung. 

Zwar konnte er vorgeben, alles zu haben: Haus, Ehe, Kinder, Putzfrau, Autos, Holidays an schönen Urlaubszielen – aber nach und nach konnte er sich eingestehen, dass er Rückhalt vermisste, das Interesse an seinen Gedanken und Gefühlen, Unterstützung, gute Gespräche, Sex – im Grunde alles, was eine gute Ehe ausmacht. 

Und dass es kein Scheitern war, an dem er die Schuld trug, sondern ein sich über Jahre entwickelnder Prozess, an dessen Ende zwei Menschen standen, die sich nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu geben und nichts mehr zum Leben des Anderen beizutragen hatten. 

 

Er begann, sich seine Ängste einzugestehen. Etwas, dass er sich sehr viele Jahre nicht mehr erlaubt hatte. Er wollte sich seiner Lebensträume wieder erinnern, der Dinge, die ihm Spaß machten. Er wollte herausfinden, was ER denn wirklich wollte.
Er fing damit an, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Sein Leben als wichtig zu erachten. Das, was er ist, wahrzunehmen, anstatt jeder inneren Regung sofort mit einer Aktion ein Ende zu bereiten.
Seine Lebensträume zu erinnern, Dinge die ihm Spaß machten. Herauszufinden, was ER denn wirklich wollte.

 

Im Laufe des Jahres trennte er sich von seiner Frau und ließ sich tatsächlich scheiden, um mit einer neuen Lebensgefährtin ein neues Leben zu führen. 

Die Beziehung zu seinen Kindern ist wesentlich tiefer geworden. Er hat auch hier seinen Blickwinkel verändert und festgestellt, dass er in dem Maße in dem er sich verändert hatte auch andere Maßstäbe setzte, was die Erwartungen an Andere betraf. 

Zum ersten Mal hatte er wieder echte Gespräche mit seinen Kindern, in denen es nicht mehr nur um Leistungen in Schule und Studium, um die passenden Leute, die man kennen muss, ging. 

Und was ihm sehr wichtig ist: er fühlt sich nicht mehr nur als Geldgeber, sondern geschätzt als Vater. 

 

Ich habe mich sehr gefreut, ihn auf diesem Weg begleiten zu dürfen.

Zu erleben, wie er mit der Zeit aufblühte und wieder Freude am Leben entwickelte. 

Wie sein Zynismus sich in ein wirkliches Ja zum Leben verwandelte. 

Seinen Job macht er immer noch. Wie er mir sagte, ist er er hier immer noch knallhart, jedoch fand er heraus dass mehr Menschlichkeit im Umgang nicht schadet. Ganz im Gegenteil. 

Ich wünsche ihm das Allerbeste auf seinem weiteren Weg und bedanke mich noch einmal, dass ich seine Erlaubnis bekam – gekürzt – seine Geschichte hier wiedergeben zu dürfen. 

 

Eule auf einem Zweig

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